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06.06.2008

Nie und nimmer eine CSU-Kopie

Kandidat der Freien Wähler: Walter Zägelein als neues Gesicht in der Politik

In seinem Arbeitszimmer in Roßtal bereitet Walter Zägelein nicht nur Vorlesungen vor, sondern plant auch seinen Landtagswahlkampf.

  

ROSSTAL - Die CSU träumt von 50 Prozent plus X, alle anderen setzen auf 50 minus X. Der promovierte Ingenieur Walter Zägelein hofft auf den Verlust der absoluten CSU-Mehrheit, denn der Roßtaler tritt für die Freien Wähler (FW) als Direktkandidat für den Landtag im Stimmkreis 510 Fürth-Land und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim an. Er ist ein völlig neues Gesicht in der politischen Landschaft des Landkreises. Die FN sprachen mit dem 58-jährigen Zägelein über seine politischen Ambitionen.

Herr Dr. Zägelein, wieso engagieren Sie sich bei den Freien Wählern und nicht bei einer der bundesweit aktiven Partei?

Walter Zägelein: Politikverdrossenheit - darunter litt ich schon bei vergangenen Wahlen, denn ich hatte den Eindruck, vielen Politikern geht es nicht um die Sache, sondern nur um die Selbstdarstellung. Dabei schätze ich politische und wirtschaftliche Diskussion durchaus, aber nicht, wenn immer nur dieselben Phrasen ausgetauscht werden. Als ich in Roßtal mein Engagement bei den FW begann, war es ,Liebe auf den ersten Blick‘.

Da mag bei Ihnen so gewesen sein, aber oft gelten die FW nur als Kopie der CSU.

Zägelein: Der Eindruck kann auf kommunaler Ebene gelegentlich entstehen. Aber Tatsache ist, dass sich die Freien Wähler aus mehreren Richtungen rekrutieren, so dass daraus ein weiter politischer Blickwinkel resultiert. Bei uns steht die Sache im Vordergrund. Wir stellen zwar im Kreis mit Franz Forman den stellvertretenden Landrat. Dies bedeutet aber nicht eine feste Koalition mit der CSU. Freie Wähler entscheiden grundsätzlich sachbezogen.

Die Freien Wähler sind nicht nur ein Anhängsel der Großen?

Zägelein: Nein, wir sind eigenständig. Ich sehe uns als die wahre Mitte. Das ergibt sich aus unserer Mitgliederstruktur, wir kommen aus allen politischen Richtungen. Was mir besonders wichtig ist: Wir sind nah dran am Bürger und seinen Themen.

Näher am Menschen – so lautet der CSU-Slogan. So weit scheinen die FW von der CSU also nicht entfernt zu sein. Lassen Sie uns spekulieren: Am 28. September verliert die CSU die absolute Mehrheit, die FW zieht in den Landtag ein und koaliert mit der CSU. Bleibt dann nicht alles beim alten?

Zägelein: Der CSU-Slogan mag zwar so lauten. Meiner Meinung klaffen hier jedoch Realität und Anspruch weit auseinander. Für die Zeit nach dem 28. September kann es zwar seinen Reize haben, in der Opposition zu sein, man kann den Finger auf die Wunden legen, die die Regierenden schlagen. Bei einer theoretisch möglichen Regierungsbeteiligung, die wir nicht ausschließen, wird die CSU als Mehrheitspartei schon Rücksichten auf Eckpunkte der Freien Wähler nehmen müssen.

Was muss man sich unter den Eckpunkten vorstellen?

Zägelein: Wir erleben den Rückzug der Bürger aus dem öffentlichen Geschehen. Die Wahlbeteiligung schwindet, ebenso die Bereitschaft ein Ehrenamt zu übernehmen. Die Politik muss die Bürger wieder besser einbeziehen. Das Leben spielt sich schließlich in den Städten und Gemeinde ab, dort treffen Bürger und Politik unmittelbar aufeinander. Wir wünschen uns daher mehr Handlungsspielraum für Kommunen und eine Zukunft für den ländlichen Raum. Hauptthemen sind unter anderem die Bildungs-, Gesundheits- und Energiepolitik.

Sie sind Professor an der Georg- Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg und bilden angehende Ingenieure aus. Ist die Hochschulpolitik Ihr persönlicher Schwerpunkt?

Zägelein: Nicht nur, ich habe schließlich drei Kinder und selbst ein Bildungssystem erfahren, das mehr aussiebt als fördert. Ein weiteres Thema kommt aus meiner beruflichen Tätigkeit - die Energiepolitik. Außerdem bin ich ausgebildeter Präventivtrainer, kann Menschen dabei unterstützen, ihre Gesundheit zu bewahren. Jeder weiß schließlich, wie wichtig die Prävention in der Gesundheitspolitik ist.

Warum sollte der Wähler bei der FW-Liste sein Kreuz machen?

Zägelein: Wir machen seit Jahren erfolgreiche Kommunalpolitik. Wir kennen die Probleme vor Ort und wollen keine CSU-Politik mehr übergestülpt bekommen. So gut ist niemand, dass er allein alles optimal löst. Die besten Lösungen entstehen in einem Spannungsfeld, in dem um Mehrheiten gerungen werden muss. Das hat der CSU gefehlt. Interview: BEATE DIETZ

6.6.2008 0:00 MEZ

 

 

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