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Probleme mit Krippenplätze?
Krippenplätze immer mehr gefragt - auch in Roßtal!
Die Zukunft unserer Gesellschaft hängt ganz entscheidend von der Zukunft unserer Familien ab. Sie sind der Ort, an dem die Grundwerte des Zusammenlebens entwickelt und gelebt werden. Sie vermitteln Normen und Werte und bieten einen sozialen und geschützten Lebensraum, um diese zu erproben und weiterentwickeln zu können. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich die Familie gegenüber der Zeit unserer Großeltern grundlegend verändert. Dies liegt nicht nur an den innerlichen Strukturen, die unsere Familien in hochmoderne Unternehmen verwandelt, sondern auch an den Anforderungen, die eine Familie in unserer Gesellschaft zu erfüllen hat.
Es ist bedeutsam zu erkennen, dass Familien schon lange nicht mehr alle gleich sind, sondern viele unterschiedliche Familienformen unsere Gesellschaft durchziehen. Deshalb können heutzutage familiäre Aufgaben auf unterschiedliche Weise übernommen und verantwortlich gelebt werden, z.B.
- in verheirateten Vater-Mutter-Kind Familien,
- in Einelternfamilien,
- in Patchwork-Familien,
- in verbindlichen Partnerschaften,
- durch Großeltern und Verwandte.
Eltern sind für das Wohlergehen ihrer Kinder, für ihre positive Entwicklung und Entfaltung verantwortlich. Sie sind die erste Instanz, in der die Kinder ihre Persönlichkeit entwickeln und Erfahrungen mit ihrer sozialen Umwelt machen. Kinder kommen aber schon sehr früh auch mit andern in Kontakt, die prägend auf sie wirken. Schon ein afrikanisches Sprichwort sagt: "It takes a village to raise a child - es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen". Kinder sind von Anfang an Mitglieder unserer Gesellschaft. Um sich in dieser Gesellschaft zu behaupten, brauchen sie Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sich speziell schon in den ersten Lebensjahren eines Kindes herausbilden.
Familien brauchen unsere Unterstützung
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegt für viele Mütter und Väter schon lange nicht mehr im eigenen Entscheidungsbereich. Viele junge Familien sind heutzutage schlicht und einfach darauf angewiesen, dass beide Elternteile zum Familienunterhalt beitragen. Die starken Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, lassen den Familien meist keine andere Wahl, bald nach der Geburt des Kindes wieder ins Arbeitsleben einzusteigen. Hinzu kommt, dass alleinerziehende Mütter oder Väter sich aus finanziellen Gründen auch keine größeren Erziehungspausen leisten können. Deshalb ist es außerordentlich wichtig, dass auch wir in Roßtal Krippenplätze für Kinder von 0 - 3 Jahren anbieten können. Dies lässt sich auch an der sehr großen Nachfrage ablesen, die wir in den letzten Jahren beobachten konnten.
Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen hat in Zusammenarbeit mit dem Staatsinstitut für Frühpädagogik in München eine Handreichung zum Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in den ersten drei Lebensjahren herausgegeben und an alle Einrichtungen (Kindergärten, Kinderkrippen) verschickt. Staatsministerin Christine Haderthauer schreibt darin: "In keiner Phase seines Lebens lernt der Mensch so begierig und schnell, wie in den ersten Lebensjahren. Die Qualität der frühkindlichen Bildung und Erziehung liegt mir daher ganz besonders am Herzen." Daraus lässt sich erahnen, wie bedeutsam die Kinderbetreuung in den ersten Lebensjahren ist.
Wie lässt sich Qualität in unseren Kinderkrippen erreichen?
Das Wichtigste ist, dass der Ausbildung für das Personal unserer Kinderkrippen ein größerer Stellenwert zukommt. Wenn man einen Blick in unsere Berufsschulen für Kinderpflege oder Fachakademien für Sozialpädagogik wirft, kann man erkennen, dass sich die Ausbildung bereits auf das Arbeitsfeld der Kinderkrippen professionell eingestellt hat. Angehende Erzieher und Kinderpfleger werden gezielt auf die Arbeit mit Kindern von 0 – 3 Jahren ausgebildet. Eine weitere Problematik lässt sich an der Personalausstattung erkennen. Es muss garantiert werden, dass entsprechend der erhöhten Anforderungen der Personalschlüssel angepasst werden muss. Ein momentan aktueller Personal-Kindschlüssel von 1:11,5 kann den Anforderungen nicht einmal im Ansatz gerecht werden. Kinder brauchen nicht nur Aufpasser, sondern gerade in den jüngsten Lebensjahren auch eine Bezugsperson, bei der sie Geborgenheit erfühlen können. Könnten wir dies gewährleisten, würde eine negative Diskussion über die Kinderkrippen schnell verstummen.
In der oben erwähnten Handreichung vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen ist weiterhin zu lesen: "Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestanstellungsschlüssel, der die Grenze zur Kindeswohlgefährdung darstellt, beträgt 1:11,5 (d.h. 1 Fachkraft für 11,5 Kinder). Der empfohlene Anstellungsschlüssel für eine qualitativ gute pädagogische Arbeit, mit der eine Umsetzung der Bildungs- und Erziehungsziele gut vereinbar ist, liegt bei 1:10." Dies zeigt, dass unsere Gesellschaft noch lange nicht erkannt hat, wie wertvoll die ersten Lebensjahre für die Entwicklung unserer Kinder sind.
Inwieweit auch dieser Schlüssel ausreicht, um den Bedürfnissen unserer Jüngsten gerecht zu werden, darf durchaus bezweifelt werden. Um den Kindern die notwendige Sicherheit und Geborgenheit geben zu können, wäre meines Erachtens eine weitere Verbesserung der Personalsituation notwendig. Es darf hier nicht nur um "Zahlenspielerei" gehen, sondern wir müssen die bestmögliche Betreuung unserer Kinder garantieren. Die obersten Grundsätze unserer Kinderkrippen sollten doch sein, dass Zeit und Zuwendung für jedes einzelne Kind gewährleistet ist.
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder ab 3 Jahren Gruppenfähig sind und sich beim Freispielen mit Gleichaltrigen gut entwickeln. In der Kinderkrippe jedoch braucht das einzelne Kind mehr Betreuung, so z.B. eine für ihn wichtige Bezugsperson. Die Rolle dieser Bezugsperson wird in diesem Fall vom Personal der Kindergrippe übernommen. Allerdings ist es bei der momentanen Personalsituation kaum möglich, allen Kindern die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Bewusst sollte jedem sein, dass die für das Kind wichtige Entwicklung des Urvertrauens im ganz jungen Alter abläuft. Eine Vernachlässigung dieses wichtigen Entwicklungsprozesses kann ein Mensch während seines gesamten Lebens nie wieder richtig ausgleichen. Diese Erkenntnis sollten wir uns permanent vor Augen halten, um den Stellenwert von Kinderkrippen die richtige Bedeutung schenken zu können. Daraus ergibt sich natürlich ein deutlich höherer Betreuungsaufwand. Aber wir müssen diesen Tatsachen ins Auge sehen, damit wir in unserer Gesellschaft die richtigen Weichen stellen können.
Kürzlich wurde in den Fürther Nachrichten berichtet, dass sich die 30 DAX-Konzerne sich bei einem Spitzengespräch mit der Bundesregierung verpflichtet haben, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Es wird in diesem Zusammenhang auch immer wieder diskutiert in Unternehmen eine allgemeinverbindliche gesetzliche "Frauenquote" einzuführen. Das ist alles eine gute und wohlgemeinte Angelegenheit. Aber was geschieht dann mit den Kindern und ist dies nicht der Abschied von der herkömmlichen Familie? Wenn wir das wollen, müssen wir auch für eine richtige "artgerechte" Kinderbetreuung sorgen. Mit den Worten eine Sprichworts ausgedrückt: "Wenn wir A sagen, müssen wir auch B sagen".
Die Mehrkosten für eine Verbesserung des momentanen Personalschlüssels von 1:11,5 obliegen zurzeit jedoch den Trägern der Einrichtungen, die dies meist nicht finanzieren können. Einrichtungen benötigen Hilfen, um ihrem Auftrag erfüllen zu können. Jedoch ist gerade der soziale Sektor meist der Bereich an dem Gelder und Personal eingespart werden. Dies kann jedoch nicht der Weg sein, auf den wir uns in Zukunft begeben wollen, da viele unserer Familien immer mehr auf das Betreuungssystem unseres Staates angewiesen sind. Welchen Beitrag können wir nun leisten, um den notwendigen Kinderkrippen unter die Arme zu greifen?
Die Fraktion der Freien Wähler hat im Bayerischen Landtag im Rahmen einer "Kindergartenoffensive" den Antrag gestellt, eine ausreichende Finanzierung für eine adäquate Kinderbetreuung unserer Jüngsten sicherzustellen. Für die Freien Wähler als Vertreter der bayerischen Kommunen ist es dabei aber wichtig, dass die Kommunen nicht zusätzlich über die Maßen belastet werden. Die Sicherstellung der Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Ausbildung unserer Kinder liegen bei uns in der Verantwortlichkeit des Staates verankert. Wir dürfen deshalb nicht müde werden, um auf die momentanen Verhältnisse hinzuweisen und die notwendigen Maßnahmen einzufordern.
Renate Kleindl - Leiterin eines viergruppigen Kindergartens mit einer angegliederten Kleinkindergruppe.
Für Fragen und Anmerkungen können Sie mich per E-Mail zu erreichen: renate_kleindlNOSPAM@web.NOSPAM.de
